Industrie 4.0 im internationalen Vergleich - Teil 3

Hier kommt der dritte Teil unserer Blogserie. Wie in den ersten beiden geht es um Industrie 4.0 im internationalen Vergleich, diesmal mit dem Schwerpunkt auf China. Industrie 4.0 ist ein wichtiges Thema in China, sowohl in Bezug auf stattliche Aktivitäten, als auch in der Forschung. Der Austausch findet meist über soziale Medien wie WeChat oder über Medien mit Industriebezug statt.

Industrie 4.0 hängt in China stark mit allgemeinen Digitalisierungsthemen wie Virtualisierung, Cloud-Computing und dem Internet der Dinge zusammen. Die klare Abgrenzung anhand des Sektors fehlt. Während in Deutschland das Thema auf das produzierende Gewerbe bezogen wird, ist es in China eher als generelle Aufforderung zum Fortschritt zu verstehen.

China sieht seine eigene Stärke in der Internetaffinität seiner Bevölkerung. Die Hauptziele sind Sicherung eines hohen Wirtschaftswachstums, Arbeitsplätze und Wohlstand. Die eigene Industrie soll in Zukunft mehr von Innovationen und eigenen Ideen angetrieben werden. Dies ist vor allem nötig, weil die Arbeitskostenunterschiede im Vergleich zu Hochlohnländern immer geringer werden. Trotz dieser Vorsätze variiert der Grad an Automatisierung in den chinesischen Unternehmen stark und damit auch die Bereitschaft für Industrie 4.0. Aktuell ist die Fertigungsindustrie eine Mischung aus Industrie 1.0, 2.0 und 3.0, während Industrie 4.0 als langfristiges Ziel gesehen wird.

Wie sich die Ansprüche einer sehr hohen Automatisierung durch Industrie 4.0 mit einer hohen Beschäftigungsquote zusammenbringen lässt, wird kaum diskutiert. Ökonomen aus der Regierung und der Privatwirtschaft gehen davon aus, dass die wegfallenden Arbeitsplätze in den Dienstleistungssektor wandern werden.

Was in Deutschland die „Hightech-Strategie“ ist, ist in China die Strategie „Made in China 2025“[1]. Tatsächlich orientiert sich diese auch stark an der deutschen Industrie 4.0 Strategie. Im Juli 2015 entstand eine gemeinsame Absichtserklärung zwischen der deutschen und der chinesischen Regierung, die die beiden bisher national ausgerichteten Strategien enger miteinander verzahnen soll. Die Made in China 2025-Strategie muss jedoch wesentlich mehr leisten, da sie sich in großen Teilen noch damit beschäftigt das produzierende Gewerbe auf Industrie 3.0 Niveau zu heben. Ziel der Made in China 2025-Strategie ist es, China von einem industriellen Großproduzenten zu einer führenden Produktionsmacht weiterzuentwickeln und in der globalen Wertschöpfungskette nach oben zu klettern. Laut Premierminister Li Kegiang soll in Zukunft die Qualität und nicht die Quantität der Produkte im Fokus stehen.

 

Author: Stefan Höfler, Software Developer