Industrie 4.0 im internationalen Vergleich - Teil 1

Wir starten wieder mit einer neuen Beitragsserie! Die Serie ist in fünf Teile untergliedert und befasst sich mit dem Thema Industrie 4.0 im internationalen Vergleich. Los geht es in Deutschland, in den Artikeln 2, 3 und 4 folgt dann ein Blick auf China, Japan und die USA. Zum Abschluss der Betrachtung untersuchen wird dann noch, wie das Thema im europäischen Kontext gesehen wird. Für jede dieser Nationen erfolgt ein kurzer Lagebericht, darüber wie das Thema Industrie 4.0 im Land gesehen wird, sowie ein Blick auf die jeweiligen Ziele und Herausforderungen.

In Deutschland erhält das Thema Industrie 4.0 recht viel Aufmerksamkeit. In Fachkreisen ist der Begriff weitestgehend bekannt. Oft verdrängt der Begriff Industrie 4.0 sogar andere Themen oder inkludiert sie bereits (z.B. intelligente Mobilität). Dies führt dazu, dass der Begriff immer häufiger als Sammelbegriff für Digitalisierung in der Volkswirtschaft verwendet wird. In seiner ursprünglichen Definition bezieht sich der Begriff Industrie 4.0 jedoch auf das produzierende Gewerbe.

Die Ausgangslage in Deutschland ist aufgrund der starken Position des Maschinen- und Anlagenbaus, trotz wachsender internationaler Konkurrenz, sehr gut. Dennoch wird die Industrie 4.0 momentan nur von einem eher kleinen Kreis an Vorreiterunternehmen vorangetrieben. So nutzen aktuell nur 15% der Unternehmen dezentrale, sich selbststeuernde Systeme in der Produktion[1]. 52% verfügen über intelligente Produktionsanlagen. Der Grund hierfür ist oftmals fehlendes Vertrauen in die Sicherheit der neuen Technologien, vor allem in Bezug auf den möglichen Verlust von geistigem Eigentum und Prozess-Know-how.

Grundlage für Industrie 4.0 in Deutschland ist die Hightech-Strategie der Bundesregierung. Ziel dieser Strategie ist es die Akteure der Forschungs- und Innovationslandschaft hinter gemeinsamen Zielen zu vereinigen. Im Aktionsplan zur Hightech-Strategie wurde im Jahr 2012 das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 vorgestellt, mit dem die Weichen für den Einzug des Internets der Dinge in der Industrie gestellt werden sollten. Im Kern stützt sich die Strategie auf fünf Eckpfeiler:

  • Priorisierung der Forschungs- und Innovationsthemen
  • Vernetzung aller wissen-erschaffender Stakeholder
  • Steigerung der Dynamik der Innovationstätigkeit
  • Schaffung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen durch die Bundesregierung
  • Steigerung der Transparenz von wissenschaftlichen Programmen und technischen Entwicklungen

Ein Problem bei der politischen Unterstützung von Industrie 4.0 ist, dass die Zuständigkeit nicht bei einem Akteur liegt. So sind die Kompetenzen aktuell zwischen dem Bundesministerium (BM) für Wirtschaft und Energie, dem BM des Inneren, dem BM für Verkehr und digitale Infrastruktur, dem BM für Bildung und Forschung, dem BM der Justiz und für Verbraucherschutz und dem BM für Arbeit und Soziales verteilt. Oftmals führt dies zu Reibungsverlusten.

Wenn man über Industrie 4.0 in Deutschland spricht darf man die „Plattform Industrie 4.0“[2] nicht unerwähnt lassen. Die Initiative „Plattform Industrie 4.0“ wurde von den Industrieverbänden Bitkom, dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gegründet. Die Plattform ermöglicht die branchen-übergreifende Zusammenarbeit von Unternehmen, Verbänden und Wissenschaft. Im April 2015 erfolgte eine Neuorganisation der „Plattform Industrie 4.0“ unter der Führung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Im Kern behält die Plattform ihre Aufgaben. Sie arbeitet nicht an der operativen Realisierung von Industrie 4.0, sondern dient als Mittler zur Etablierung von Netzwerken und Partnerschaften, entwickelt Handlungsempfehlungen und setzt die Forschungsagenda fort. Auch die sozialen Aspekte sollen nicht zu kurz kommen, weshalb die Initiative auch für Verständnis, Offenheit und Vertrauen in Bezug auf Industrie 4.0. wirbt.



[1] Freudenberg IT und Pierre Audoin Consultants

 

Author: Stefan Höfler, Software Developer